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Quantitätskontrast: Tipps und Infos für harmonische Fotos durch optimale Farbverhältnisse

Quantitätskontrast: Tipps und Infos für harmonische Fotos durch optimale Farbverhältnisse

Warum wirkt das Foto des Sonnenuntergangs in der Ferne hinter den sich brechenden Wellen am Meer so harmonisch? Und warum wird bei der Nahaufnahme eines leuchtend roten Autos auf der Strasse ein Spannungsbogen erzeugt? Die Wirkung der Farben spielt hierbei eine grosse Rolle, dazu gehört auch die mengenmässige Verteilung der leuchtenden und blassen Farben. Stehen sie im optimalen Verhältnis zueinander, ist vom Quantitätskontrast die Rede. Was den Quantitätskontrast auszeichnet und welche Wirkung du damit erzielen kannst, erfährst du in folgendem Ratgeber. Ausserdem erhältst du Hintergrundinfos zum Farbkreis und den weiteren Farbkontrasten der Ittenschen Farbenlehre.

Was ist der Quantitätskontrast?

Als einer von insgesamt sieben Farbkontrasten wurde der Quantitätskontrast von dem Schweizer Kunsttheoretiker und Maler Johannes Itten in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt. Im Vergleich zu den anderen Kontrast-Techniken handelt es sich beim Quantitätskontrast dabei weniger um einen tatsächlichen Farb- als vielmehr um einen Formkontrast. Er entsteht durch die Gegenüberstellung unterschiedlicher Farbflächen in verschiedenen Flächengrössen beziehungsweise durch die ungleiche Verteilung der Mengenverhältnisse. Für den Quantitätskontrast gibt es weitere Bezeichnunge, etwa:

  • Mengenkontrast
  • Grössenkontrast
  • Proportionskontrast

In welchem Verhältnis stehen die unterschiedlichen Farbflächen beim Mengenkontrast zueinander?

Um den Quantitätskontrast zu verstehen, solltest du zunächst wissen, dass gemäss der Theorie von Itten die Farben unterschiedliche Intensitäten besitzen. So leuchtet beispielsweise ein Rot mehr als ein Grau und zeigt sich damit insgesamt dominanter. Um die Dominanz auszugleichen, müssen die unterschiedlichen Farbintensitäten in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Für die optimale Wirkung nimmt beim Quantitätskontrast daher die leuchtende Farbe mengenmässig einen kleineren Raum ein als die blassere Farbe.

Wie berechne ich die richtigen Farbverhältnisse?

Das optimale Verhältnis beim Quantitätskontrast kannst du selbst berechnen. Für die einzelnen Farben sind dabei Leuchtkraft-Stärken vorgegeben. Diese sind:

  • Gelb: 3 Teile
  • Orange: 4 Teile
  • Rot: 6 Teile
  • Grün: 6 Teile
  • Blau: 8 Teile
  • Violett: 9 Teile

Möchtest du beispielsweise mit den Farben Gelb und Rot einen harmonischen Quantitätskontrast erzeugen, benötigt Gelb eine proportional kleinere Fläche als Rot. Du setzt sie entsprechend ihrer Teile in ein Verhältnis von 3:6, sodass ein gelber Farbanteil auf zwei rote Anteile trifft. Stärkere und intensivere Quantitätskontraste erzielst du dagegen, wenn du die Anteile umkehrst, sodass die leuchtenden Farben das Bild dominieren. In konkreten Fall würde dann das Verhältnis von Gelb und Rot 2:1 sein.

Welche Wirkung kann mit dem Quantitätskontrast erzielt werden?

Grundsätzlich hängt die Wirkung des Quantitätskontrasts davon ab, ob die leuchtenden oder die blasseren Farben auf dem Bild dominieren. Gleichst du die Dominanz aus, entsteht insgesamt eine harmonische Flächengestaltung, die eine ruhige und statische Wirkung erzielt. Dagegen bilden Mengenverhältnisse, die konträr zum natürlichen Ausgleich stehen, einen intensiven Spannungsbogen in der Wahrnehmung. Sie können auch Unruhe und Disharmonie erzeugen, die zurücktretende blassere Farbe kann zudem verloren und einsam wirken.

Wie setze ich den Quantitätskontrast in der Fotografie um?

Mit etwas Gestaltungskompetenz und dem Wissen um die unterschiedlichen Leuchtkräfte der Farbqualitäten dürfte es nicht weiter schwierig sein, Fotos mit einem optimalen Quantitätskontrast aufzunehmen. Im Rahmen von Bildbearbeitungsprogrammen kannst du mit etwas Gestaltungskompetenz bei Fotos mit hoher Auflösung nachträglich zudem noch etwas am Design ändern. So ist es möglich, einzelne Motive in ihren leuchtenden Farben zu intensivieren oder diese mit der Zugabe von Helligkeit etwas blasser erscheinen zu lassen. Auch Lichtbrechungseffekte, wie sie zum Beispiel bei Aufnahmen am Wasser entstehen und die für ein farbliches Ungleichgewicht sorgen, kannst du nachträglich retuschieren.

Welche weiteren Kontraste gibt es in der Farbenlehre von Itten?

Für die Bildgestaltung von eindrucksvollen Fotos können weitere Farbkontraste zum Einsatz kommen. Die sechs weiteren Farbkontraste der Farbenlehre von Johannes Itten sind:

  • Hell Dunkel Kontrast
  • Kalt Warm Kontrast
  • Qualitätskontrast
  • Farbe an sich Kontrast
  • Simultankontrast
  • Komplementärkontrast

Welchen Einfluss hat der Quantitätskontrast auf die anderen Kontraste und welche Rolle spielt der Farbkreis von Itten?

Der Quantitätskontrast kann alle anderen Kontraste in ihrer Wirkung beeinflussen und sie verstärken, aber auch dämpfen. Während es bei den anderen Kontrasten um die Wirkung der Farben selbst geht, gibt der Quantitätskontrast das optimale Mengenverhältnis der kontrastierenden Farbflächen vor. Der Kalt Warm Kontrast beruht beispielsweise auf der Gegenüberstellung von kalten und warmen Farbtönen. Da die Intensität der warmen Farben grösser ist, sollten diese mengenmässig gegenüber den kalten Farben in den Hintergrund treten. Gleiches gilt unter anderem auch für den Komplementärkontrast: Setzt du zwei komplementäre Farben gegeneinander, zum Beispiel Blau und Orange, lohnt es sich, diese gemäss den Leuchtkraft-Teilen der einzelnen Farben in das richtige Verhältnis zu setzen. Ein Hinweis: Bei der Wahl der passenden Farben, die im Kontrast zueinander stehen, kannst du dich am Farbkreis, der von Itten im Rahmen seiner Farbenlehre entwickelt wurde, orientieren. In diesem Farbkreis, der aus zwölf Farben besteht, sind die Zusammenhänge der einzelnen Farben anschaulich abgebildet.

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