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Komplementärkontrast – künstlerisches Stilmittel zur Farbgestaltung in der Fotografie

Komplementärkontrast – künstlerisches Stilmittel zur Farbgestaltung in der Fotografie

Fotos sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Egal ob eine professionelle Kamera oder das Smartphone zum Einsatz kommt – wir dokumentieren unser Leben und halten die schönsten Momente auf Bildern fest. Um die Stimmung perfekt einzufangen, arbeiten Fotografen nicht nur mit technischen Funktionen, sie greifen auch auf gestalterische Mittel zurück. Dabei spielen Farbkontraste wie der Komplementärkontrast eine wichtige Rolle, denn sie optimieren die Wirkung des Fotos. In den folgenden Abschnitten erhältst du zahlreiche Tipps und Informationen zum Thema Komplementärkontrast.

Was ist der Komplementärkontrast?

Der Komplementärkontrast ist ein künstlerisches Gestaltungsmittel, das häufig in der Malerei und Fotografie zum Einsatz kommt. Der Wortteil „komplementär“ leitet sich von dem lateinischen Wort „complementum“ ab und lässt sich mit „Ergänzung“ übersetzen. Das stilistische Mittel wird daher auch als Ergänzungskontrast bezeichnet. Der Komplementärkontrast entsteht, wenn in einem Bild zwei Farben nebeneinander liegen, die gegensätzlich sind, sich aber ergänzen. In der Kunst spricht man in diesem Fall von komplementären Farben oder Komplementärfarben.

Welche Komplementärfarben gibt es in der Farbenlehre?

Es existieren verschiedene Ansätze, um Komplementärfarben in der Kunst und Fotografie zu beschreiben. Das bekannteste Modell geht auf den Schweizer Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten zurück. Der Begründer der Farbenlehre entwickelte 1961 einen Farbkreis, der aus den drei Primärfarben Gelb, Rot und Blau sowie den drei Sekundärfarben Orange, Grün und Violett besteht. Als Komplementärfarben gelten die Farben, die sich im Kreis in einem Winkel von 180 Grad gegenüberliegen:

  • Gelb und Violett
  • Rot und Grün
  • Blau und Orange

Liegen diese Farbpaare in einem Bild nebeneinander, verstärken sie sich gegenseitig. Kommt es zu einer Farbmischung der Komplementärfarben, löschen sie sich gegenseitig aus und ein neutraler Grauton entsteht. Ein weiterer Ansatz geht auf den Drucktechniker Harald Küppers zurück. In seinem Modell der Farbenlehre sind die Farben Rot, Grün, Blau, Gelb, Magenta und Cyan in einem Sechseck angeordnet. Auch hier gelten Farben, die sich im Winkel von 180 Grad gegenüberliegen, als Komplementärfarben:

  • Gelb und Blau
  • Rot und Cyan
  • Magenta und Grün

Wie wirkt der Komplementärkontrast?

Der Komplementärkontrast macht sich die Gegensätze der Farben zunutze. Liegen zwei Komplementärfarben in einem Foto nebeneinander, verstärken sie sich durch den Farbunterschied gegenseitig. Das menschliche Auge nimmt die Leuchtkraft der Farben als sehr intensiv wahr. Zudem lässt sich eine optimale Farb- und Lichtwirkung erreichen. So kommt jede Farbe voll zur Geltung. Bilder mit vorhandenem Komplementärkontrast haben den Vorteil, dass sie besonders aktiv, kraftvoll und lebhaft wirken. Sie wecken Interesse, erzeugen Emotionen und versetzen den Betrachter in die passende Stimmung. Es entsteht ausserdem der Eindruck, dass das Foto harmonisch, vollständig und abgeschlossen ist.

Welchen Einfluss haben helle und dunkle Farben auf den Komplementärkontrast?

Damit der Komplementärkontrast seine volle Wirkung entfalten kann, ist es wichtig, die Helligkeit der verwendeten Farben zu berücksichtigen. Ist eine Farbe hell, bewegt sie sich durch die menschliche Sinneswahrnehmung automatisch in den Vordergrund. Ist eine Farbe dunkel, siedelt sie sich im Hintergrund an. Um optisch ausdrucksstarke Fotos zu erhalten, bieten sich helle Objekte auf einem dunkleren Hintergrund an. Wenn du einen gelben Gegenstand vor einem blauen Hintergrund fotografierst, nutzt du die positiven Effekte des Komplementärkontrastes bestmöglich. Fotografierst du einen blauen Gegenstand vor einem gelben Hintergrund, schwächst du die Wirkung des Komplementärkontrastes ab, da die suboptimale Anordnung von Hell und Dunkel das Auge irritiert.

In welchem Zusammenhang stehen Komplementärkontrast und Simultankontrast?

Der Simultankontrast entsteht, da das menschliche Auge beim Betrachten einer Farbfläche automatisch die passende Komplementärfarbe in der Umgebung erzeugt, um einen Ausgleich zu erschaffen. Wenn sich ein rotes Quadrat auf einem orangefarbenen Hintergrund befindet, bekommt die rote Farbe in deiner Wahrnehmung einen Blaustich, da dein Auge beim Betrachten des orangefarbenen Hintergrundes für die restliche Fläche automatisch einen Blauton erzeugt. Befindet sich das gleiche rote Quadrat auf einem grünen Hintergrund, leuchtet die rote Farbe hingegen besonders stark. Durch den Simultankontrast erzeugt dein Auge beim Betrachten des grünen Hintergrundes automatisch einen roten Farbton für die umliegende Umgebung, der das rote Quadrat strahlen lässt. Im Grunde genommen ist der Simultankontrast also Teil des Komplementärkontrastes. Er sorgt mit seinen Wirkmechanismen dafür, dass sich der Komplementärkontrast verstärkt.

Welchen Einfluss hat die Quantität der Farben auf den Komplementärkontrast?

Laut Kunstpädagoge Johannes Itten wirken zwei Komplementärfarben in einem Bild nur dann harmonisch, wenn du die Grösse der Farbbereiche entsprechend anpasst. Diese Annahme geht auf die unterschiedliche Intensität der Farben zurück. Rot und Grün müssen zu gleichen Anteilen im Foto vorhanden sein. Bei Orange und Blau gilt das Verhältnis 1:2. Gelb und Violett solltest du im Verhältnis 1:3 einsetzen, um Disharmonie zu vermeiden.

Gelten Schwarz und Weiss als Komplementärfarben?

Nein, laut der Farbenlehre zählen Schwarz und Weiss nicht zu den Komplementärfarben, da sie sich gegenseitig nicht verstärken. Sie gelten als unbunte Farben oder neutrale Farbtöne, die mit allen Farben harmonieren. Durch ihre Gegensätzlichkeit bilden Schwarz und Weiss allerdings einen auffälligen Kontrast, der Bilder interessanter wirken lässt.

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